Bücherwurmloch

Feenstaub, Wurst und Woody Allen: Der Bloggertag bei Hanser

Der erste Eindruck, als ich mit dem Auto zum Hanser Verlag nach München-Bogenhausen kurve? Bonzenviertel! Wunderschöne Villen, Ruhe, alte Eleganz. Ich habe einige Zeit in München gewohnt, doch hierhin hat es mich kaum verschlagen. Drinnen im Verlagsgebäude erwartet mich pure Herzlichkeit: Die Mitarbeiterinnen stellen sich vor, wir Blogger fallen uns fröhlich um den Hals, und auf dem schön gedeckten Tisch in der Werbeabteilung – wo einst das Gesindehaus war, wohlgemerkt – warten allerlei Leckereien. Annika Reich ist da, liest aus ihrem neuen Buch Die Nächte auf ihrer Seite vor und erzählt uns, was für eine schwere Geburt es war, warum Woody Allen darin zitiert wird und dass es lang gedauert hat, bis das Cover feststand. Der Abend ist genau so, wie er sein muss: Fingerfood und Big Talk, alle sind in Plauderlaune, es wird viel gelacht, Tilman, der technisch aufgerüstete Troll, betont die Unterschiede zwischen Feenstaub-Bloggern und Literatur-Bloggern, und ich erfahre endlich, warum Annika Reichs erstes Buch Teflon dieses total absurde Cover hatte. Um 1 Uhr nachts komme ich in meinem Hotel an, das zufällig in der Straße liegt, in der ich einst während meines Praktikums bei Langenscheidt zur Untermiete bei einer sexsüchtigen Finnin untergebracht war. Der Sex war nicht das Problem. Sondern dass man meine Zimmertür nicht schließen konnte. Aber das ist eine andere Geschichte.Hanser1

Am nächsten Morgen beginnt der Bloggertag, zu dem die Hanser Literaturverlage Blogger von nah und fern geladen haben. Und was für ein Programm uns erwartet! Wir sitzen brav aufgereiht im Konferenzraum, wo einst Carl Hansers Schwimmbad war, und lauschen nach Jo Lendles Begrüßung gespannt Lektorin Tatjana Michaelis und Pressefrau Susanne Rössler, die aus Wien angereist ist, um Zsolnay, Deuticke, Nagel & Kimche zu vertreten. Sie stellen ihre Highlights aus dem Frühjahrsprogramm vor und geraten dabei mit leuchtenden Augen und spürbarer Begeisterung derart ins Schwärmen, dass ich jetzt leider ALLE Bücher von Hanser lesen will.

Außerdem will ich bei Hanser wohnen. Und zwar ganz oben, wo die lieben Pressefrauen und Jo Lendle in seinem Büro mit Aussicht und Schweinslederschreibtisch residieren. Allerdings nicht seinetwegen, sondern weil da all diese wunderschönen Bücher stehen. Nach der Verlagsführung, bei der wir wie wildgewordene Touristen knipsen, berichtet Herstellerin Stephanie Schelleis von den Herausforderungen der Buchgestaltung, und Art Director Peter Hassiepen erzählt von all den Hürden, die ein Buchcover nehmen muss, um es bis in die Buchhandlung zu schaffen. Da ich als junger Mensch in einem Verlag gearbeitet habe und seit vielen Jahren freie Lektorin bin, ist mir all dies freilich nicht fremd, aber die anekdotenreichen Einblicke sind auf jeden Fall überaus interessant.

Hanser 2

Der Tag verfliegt, und die Ersten brechen auf, um ihren Zug zu erreichen. Online Managerin Frauke Vollmer, die all das mit ihren Kolleginnen organisiert hat, überreicht jedem ein persönliches „Goodie Bag“, gefüllt mit – Herz, was willst du mehr – aktuellen Büchern. Während Food- und Modeblogger das vermutlich ganz normal finden, ist für mich jedes einzelne Leseexemplar nach wie vor etwas ganz Besonderes. Wie ein Mini-Geburtstag! Was ich außer den schönen neuen Büchern mitnehme? Ganz viel Erstaunen darüber, so freundlich und aufmerksam behandelt, bekocht, beachtet worden zu sein, viel Freude, dass wir Blogger neuerdings so ernst genommen werden, einen Schwung neue Motivation und Ideen für das Bücherwurmloch sowie die Frage, wie ich es schaffen kann, dass der Cursor auf meinem Blog zu einem Einhorn wird, aus dessen Arsch Regenbogen kommen. Ich bin sicher, dass ich mich wie immer schlecht benommen und viel zu oft Arsch und scheiße gesagt habe („T. C. Boyle? Von dem hab ich erst ein Buch gelesen, und das fand ich richtig scheiße“, „Ich hab mich immer schon gefragt, warum Teflon dieses Scheißcover hatte“), aber nun ja – I’m a cultured person with the vocabulary of a highly educated sailor. Ich hoffe sehr, die laden mich irgendwann trotzdem wieder ein, und sage ganz artig DANKE!

Hanser 3

Wer noch da war?

Sophie von Literaturen
Mara von Buzzaldrins Bücher
Vera von Glasperlenspiel13
Dorota von Bibliophilin
Gérard von Pop-Polit
Petra von Die Liebe zu den Büchern
Sonja von Lust zu lesen
Tilman von 54books
Nadine von Literatur und Feuilleton
Caterina Kirsten von Schöne Seiten

0 Comments

  1. Ich habe es fast geahnt, dass du die Worte Feenstaub und Wurst im Titel unterbringen wirst! Deinen Bericht habe ich mit Freude gelesen, noch mehr gefreut habe ich mich darüber, dich endlich mal „in echt“ kennengelernt zu haben. Und keine Bange: bei mir hast du einen guten und überaus eloquenten Eindruck hinterlassen. 😉

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  2. Ganz bezaubernd, deine Zeilen. Die Kraftausdrücke machen ihn fast noch einen Ticken menschlicher. Hört sich nach einem aufschlussreichen und wundervollen Tag an, den ihr da verlebt habt. Und in Jo Lendles Arbeitszimmer ziehe ich selbstverständlich mit ein. 😉

    Liebe Grüße,

    Steffi

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  3. Liebe Mareike,
    a) herzlichen Dank für den schönen Bericht. Ihr scheint eine schöne Zeit gehabt zu haben und ich bin gespannt auf die Bücher, die du sicherlich bald vorstellen wirst
    b) Grandios, dass du auch zu viel Scheiße etc. sagst. Sehr sympathisch!
    c) Das Seemann-Zitat muss ich dir klauen! Wo ist das her? Scheiße, ist das toll! 😉
    Ganz liebe Grüße
    Mareike

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