Gut und sättigend: 3 Sterne

Amanda Coplin: Im Licht von Apfelbäumen

Eine wilde Geschichte aus wilden Zeiten9783716026847
Talmadge lebt schon lange auf der weitläufigen Apfelplantage im Nirgendwo von Washington. Als Junge kam er mit seiner Mutter und seiner Schwester hierher. Die eine ist längst verstorben, die andere auf mysteriöse Weise verschwunden. Hingebungsvoll pflegt Talmadge die vielen Apfel- und Marillenbäume, deren Früchte er auf dem Markt verkauft. Als zwei streunende, schwangere Mädchen auf seinem Grundstück auftauchen, jagt er sie nicht fort, sondern gibt ihnen zu essen. Er macht sich auf die Reise, findet heraus, vor wem die Schwestern namens Jane und Della geflohen sind und warum. Er möchte sie beschützen, doch als gefährliche Männer mit Gewehren auftauchen, gelingt ihm dies nicht. Fortan lebt er mit der kleinen Angelene auf der Plantage, die sein Zögling und seine gelehrige Schülerin wird. Doch Talmadge kann Della nie vergessen und die Suche nach ihr nicht aufgeben – Della, die sich aus dem Staub gemacht hat und die er erst wiedersieht, als sie im Gefängnis sitzt …

Amanda Coplin, die selbst in Wenatchee, Washington, geboren wurde, erzählt in ihrem ersten Roman Im Licht von Apfelbäumen von einem weiten Land und rauen Menschen, von widerspenstigen Pferden und harten Gesetzen. Hauptfigur ihres Buchs ist der alte, schweigsame Talmadge, der nicht über Gefühle sprechen kann, weil er es nie gelernt hat. Er ist ein Mann voller Mitgefühl und Ehre, er sorgt und kümmert sich, er ist zutiefst einsam und sehr eng verbunden mit der Natur, in der er lebt. Seine bedächtige Art trägt den ganzen Roman und bestimmt den sorgfältigen, ruhigen Erzählton, den ich nicht unbedingt langweilig, aber doch sehr gesetzt nennen möchte. Ich mag Talmadge, ich mag die Geschichte, ich mag Amanda Coplins empfindsame Sprache.

Mein einziges Problem mit diesem Buch ist, dass es irgendwie nicht aufhört. Die Story rund um die zwei schwangeren Mädchen macht noch nicht einmal das erste Drittel des Romans aus, ist nicht Kern der Sache, sondern nur der Auftakt. Und dann geht es weiter. Immer weiter. Jahr für Jahr. In allen Details. Ich muss gestehen, dass es der Autorin in meinen Augen nicht gelingt, den Spannungsbogen zu halten, und dass ich mehr als einmal fast die Geduld verliere. Weil ich nicht von noch einer Apfelernte von Talmadge und noch einem Arbeitsplatzwechsel von Della lesen will, weil mir alles zu langatmig und weitläufig angelegt ist. Wer also zu diesem Buch greift, sollte viel Zeit mitbringen und sich auf einen Jahrzehnte umspannenden, gemütlichen Schmöker einstellen.

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Im Licht von Apfelbäumen von Amanda Coplin ist erschienen im Arche Verlag (ISBN 978-3-7160-2684-7, 448 Seiten, 22,90 Euro).

Noch mehr Futter:
– „Amanda Coplin ist ein wunderbarer Roman gelungen, auf den letzten Seiten abgerundet durch ein großartiges Ende, das ich am liebsten immer und immer wieder gelesen hätte“, schwärmt Mara von buzzaldrins.de.
– „Amanda Coplin erzählt diese Geschichte um (Wahl-)Familie, Freundschaft und Unrecht in einer ruhigen, beschaulichen Sprache“, heißt es auf eselsohren.at.
– „Zwischendurch hatte die Handlung für mich ein paar kleine Längen, aber die Atmosphäre in diesem Buch ist einfach unbeschreiblich. Insbesondere die Szenen auf Talmagdes Plantage fand ich sehr eindringlich und tief berührend“, erklärt Literaturschock.
– Und hier könnt ihr den Roman bei ocelot.de bestellen.

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