Gut und sättigend: 3 Sterne

Zdenka Becker: Der größte Fall meines Vaters

BeckerDie Geschichte einer Mörderin
Der Vater ist fast 90 Jahre alt. Jeden Samstag besucht die Tochter ihn, wäscht ihn, geht mit ihm Eis essen, plaudert mit ihm. Die Mutter ist bereits verstorben, der Kommunismus den Bach runtergegangen, die Tage sind gezählt. Immer öfter schaut der Vater zurück, und dann beginnt er, der Tochter von seinem größten Fall zu erzählen: Er war als Polizist zuständig für die Eisenbahn, wo selten etwas Aufregendes geschah. Bis eines Tages der Kopf eines Mannes in einer Zugtoilette gefunden wurde. Die Mörderin war schnell gefunden: Es war die Ehefrau. Sie hat ihn getötet, zerstückelt und verbrannt. Der Vater gab sich aber nicht damit zufrieden, bohrte in der Vergangenheit der Mörderin, deckte ein Verbrechen auf, das sie in Tschechien begangen hatte. Von seiner eigenen Frau, die unbedingt zur Chefredakteurin der Zeitschrift, bei der sie arbeitete, aufsteigen wollte, entfernte er sich während der Ermittlungen immer mehr. Die Tochter, damals noch ein Teenager, sah das alles mit an, beschäftigte sich mit den grausigen Morddetails und verlor über der Ehekrise der Eltern die Fassung. Und jetzt, all die Jahre später, will der Vater, dass die Tochter, die Schriftstellerin ist, ein Buch über seinen größten Fall schreibt.

Zdenka Becker ist in Bratislava aufgewachsen, lebt aber in Österreich und schreibt auf Deutsch. Ihre Bücher sind mehrfach ausgezeichnet. In Der größte Fall meines Vaters erzählt sie vom Leben in einem kommunistischen Land genauso wie von einem aufsehenerregenden Mordfall. Sie lässt ihre beiden Protagonisten – Vater und Tochter – die inzwischen in ihrem Lebensabend angekommen sind, Zeitreisen unternehmen und die polizeilichen Ermittlungen von damals wieder aufrollen. Das ist gut zu lesen, kurzweilig, unterhaltsam, aber spannend ist es nicht. Die Mörderin ist gleich die Erste, die befragt wird, und es ist sofort klar, was sie getan hat und warum. Krimi ist das Buch deshalb keiner. Eher eine Art Sozialstudie, Porträt einer Mörderin, Porträt einer Familie zu Zeiten des Kommunismus. Ich habe nichts explizit an diesem Roman auszusetzen, aber auch nichts hervorzuheben. Eleganter Stil, flüssig erzählt – für mich jedoch kein Highlight.

Der größte Fall meines Vaters ist erschienen im Deuticke Verlag (ISBN 978-3-552-06207-8, 224 Seiten, 18,90 Euro).

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Noch mehr Futter:
Hier könnt ihr der Autorin beim Vorlesen zuschauen und zuhören.
– „Nach Becker kann man süchtig werden! Der Lesegenuss ist vollkommen“, findet Matthias Mander.
– „Dieses Buch habe ich in die Liste meiner 20 Lieblingsbücher im Frühjahr 2013 auf­genommen“, heißt es auf buecherrezensionen.org, wo der Roman fünf Sterne bekommen hat.
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