Gut und sättigend: 3 Sterne

Florian Wacker: Albuquerque

Wacker14 Alltagsgeschichten aus dem Leben gegriffen
Sie sind ganz normale Leute. Maler, Polizisten, Zugführer, Trailerbewohner. Und ihnen passieren ganz normale Dinge. Sie brauchen eine Operation, sie schlafen mit einer Frau, finden ein Haus, das ihnen gefällt, aber nicht gehört, sie gehen verloren. Sie heißen Kolb, Schopp, Budde oder Brandt. Sie sind sehr deutsch. Ihr Schicksal ist nicht unbedingt ein Schicksal im Sinne von Drama, mehr ein beiläufiges Spazierengehen durch ein unspektakuläres Leben. Sie arbeiten brav, ticken manchmal ein bisschen aus, hauen daneben, fangen sich wieder oder nie mehr. Davon erzählt in 14 Kurzgeschichten der junge deutsche Autor Florian Wacker, der am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studiert hat.

Diese 14 Short Storys sind Skizzen und Momentaufnahmen, beleuchten eine Begegnung, eine Gefühlsregung, eine Freundschaft. Sie sind gut, interessant und amüsant. Aber sie reißen mir nicht den Boden unter den Füßen weg. Sie hinterlassen auch – bis auf einige wenige – bei mir nicht unbedingt einen bleibenden Eindruck. Manche verblüffen mich, andere lassen mich ratlos zurück, weil ich sie ganz einfach nicht verstehe. Schade ist, dass die Geschichten sich kaum mit dem Dahinter beschäftigen und wenig preisgeben. Dass ein Zugführer einfach aussteigt und in einer Kneipe in einem Ort, in dem er noch nie war, mit einer fremden Frau tanzt, ist eine wunderschöne Idee. Dabei bleibt es dann aber auch. Und das muss man wohl mögen. Ich dagegen freunde mich ja gerade erst mit Kurzgeschichten an und hätte gern etwas, an dem ich mich festhalten kann. Aber da gibt es in Albuquerque nichts, alles ist seltsam losgelöst, frei von Erklärungen, frei von roten Fäden. Bei fast jeder Story habe ich das Gefühl, dass Florian Wacker mir etwas verschweigt. Manchmal kann ich mir vorstellen, was das ist, manchmal hab ich nicht die geringste Ahnung. Das ist irgendwie gut, weil es mich nachdenklich stimmt, mich nicht loslässt, und es ist irgendwie schlecht, weil es mich nervt. Trotzdem hab ich Albuquerque gern und schnell gelesen. Es hat mich unterhalten, ist kurzweilig und am Anfang jeder Geschichte von Neuem spannend, weil ich neugierig bin auf das, was kommt. Manchmal wird meine Erwartung erfüllt, manchmal nicht. Deshalb bleibt das Buch am Ende für mich so wie seine Figuren: ganz normal irgendwie.

BannerAlbuquerque von Florian Wacker ist erschienen im Mairisch Verlag (ISBN 978-3-938539-32-3, 160 Seiten, 16,90 Euro).

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