Für Gourmets: 5 Sterne, Snacks für zwischendurch

Blandine le Callet: Die Ballade der Lila K

CalletSnack für zwischendurch – Kurzrezension

Worum geht‘s?
Ein Mädchen, das sich später Lila K nennen wird, findet sich in nicht allzu ferner Zukunft in einer Art Waisenhaus wieder. Es hat keinen Vater und wurde der Mutter weggenommen, an die es unablässig denkt und von der es nicht einmal den Namen erfährt. Lila ist klug und seltsam, erträgt keine Berührungen und kein Licht, wäre am liebsten allein, muss sich aber sozial zeigen und integrieren, um jemals wieder frei sein zu dürfen. Der Mensch in dieser nicht näher bestimmten Zukunft ist überaus gläsern, er wird ununterbrochen von Kameras beobachtet, seine Fäkalien werden von der Kloschüssel analysiert, und ob er Kinder bekommen darf, entscheidet er nicht selbst. Nicht so streng sind die Regeln draußen in der „Zone“, wo Gewalt, Armut und Zügellosigkeit herrschen, wo es noch echte Bücher gibt und keine Videoaufzeichnung. Dort, so findet Lila nach jahrelanger, vorsichtiger, geheimer Recherche heraus, kommt sie her, dort muss ihre Mutter sein. Doch um sie zu finden, braucht Lila Hilfe – von Milo, einem undurchsichtigen, faszinierenden Mann, in den Lila sich, so sehr sie es zu verhindern versucht, verliebt.

Hat’s gemundet?
Dieses Buch schmeckt bitter. Denn auch wenn die Geschichte von Kindesmisshandlung, absoluter Kontrolle durch den Staat und purer Einsamkeit in einer reglementierten Gesellschaft so fremd und abwegig nicht scheint, ist sie doch so eindringlich erzählt, dass mir beim Lesen manchmal schlecht wird und ich mir wünsche, niemals könnte so etwas geschehen. Ich will all diese Bilder nicht sehen, ich will das Buch aber auch nicht weglegen. Wir haben eine Hassliebe, die mir unter den Nägeln brennt. Blandine le Callet schildert behutsam und klar ein fiktives Schicksal, das trotz der merkwürdigen, wie Sci-Fi anmutenden Umstände erschreckend real wirkt. Lila wächst mir ans Herz, weil sie so allein und so trotzig ist, und ich folge ihrer Erzählung ganz atemlos – so, wie ich es mir wünsche bei einem Roman. Spannend, klug, bewegend und extrem verstörend. Ein Buch, das einen noch lange verfolgt.

Wer soll’s lesen?
Uneingeschränkte Leseempfehlung.

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