Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne, Snacks für zwischendurch

Gisela Stelly: Goldmacher

StellySnack für zwischendurch – Kurzrezension

Worum geht’s?
Um das 20. Jahrhundert in Deutschland: Jahrzehnte voll bewegter Geschichte. Ausgangspunkt ist die Geburt von Anton Bluhm und Franz Münzer im Jahr 1924. Der eine wächst mit dem Vorhaben auf, allem Wunderglauben abzuschwören, weil sein Vater das Familienvermögen an einen betrügerischen Goldmacher verloren hat, der andere glaubt an die Wunderwaffe, die der überlegenen Rasse der Arier den Weltsieg bringen soll. In der Hitler-Jugend treffen sie aufeinander, dann verlieren sie sich für Jahre aus den Augen, bis der Zufall sie wieder zusammenbringt. Anton und Franz werden Freunde. Die beiden Männer führen ein völlig unterschiedliches Leben – als erfolgreicher Hamburger Zeitungsmacher der eine, als vielfacher Familienvater auf dem Land der andere – und ähneln sich doch darin, dass es ihnen schwerfällt, mit der Entwicklung Deutschlands Schritt zu halten. Als 1968 die jungen Menschen der älteren Generation wütende Vorwürfe machen, sehen sich Anton und Franz auf verlorenen Posten. Zwar kehrt mit dem Alter in den 1990er-Jahren Ruhe ein, aber ihr bewegtes Leben hat sie beide sehr mitgenommen.

Hat’s gemundet?
Es war hervorragend! Die deutsche Autorin Gisela Stelly hat zwei Männer in die Wirren jener Zeit verpflanzt, in der sich in Deutschland viel getan hat: Die Geschichte reicht von 1924 bis 2001. Der erste Teil, in dem Anton und Franz noch jung sind, in dem Krieg ist und jeder auf seine Art versucht zu überleben, hat mich regelrecht mitgerissen und begeistert. Im zweiten Teil, in dem es ein wenig gemächlicher zugeht bzw. die Zahl der Nebenfiguren und Randgeschichten zunimmt, ist mir ein wenig die Puste ausgegangen. Gut zu lesen, spannend, originell und intelligent ist der Roman aber bis zum Schluss. Die Schriftstellerin zeigt an den Porträts zweier unterschiedlicher Charaktere sehr anschaulich die Auswirkungen der jüngeren deutschen Geschichte, und man kann sich richtig hineinleben in ihre Darstellung.

Wer soll’s lesen?

Ohne Einschränkung jeder, der etwas für klassische, weitreichend aufgebaute und ausgezeichnet geschriebene Romane übrighat.

0 Comments

  1. Oh, Mariki, ich finde es megatoll, dass wir ENDLICH einmal ein Buch gefunden haben, das uns gleich gut mundete – klasse. :-) ich habe es auch sehr gerne gelesen – das Buch erzählt eine mitreißende Geschichte und ich wünsche der Autorin und dem Buch viele viele Leser. :-)

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  2. Deine Rezension macht Lust auf das Buch. Mir gefallen diese Porträts, die vor einem größeren historischen Zeitrahmen entworfen werden. Das hat ein bisschen was von den Großeltern lauschen;-) Wenn der Roman dann noch, wie du sagst, ausgezeichnet geschrieben ist, ist er sicher ganz nach meinem Geschmack.

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