Gut und sättigend: 3 Sterne

Andrea Camilleri: Die Spur des Fuches

Zu Besuch bei einem sizilianischen Freund
Commissario Salvatore Montalbano hat ein wunderschönes Haus direkt am Strand der fiktiven Stadt Vigàta in Sizilien. Weniger schön ist, dass da eines Morgens ein zu Tode geprügeltes Rennpferd liegt. Noch bevor der Commissario dieses Rätsel jedoch genauer untersuchen kann, ist der blutige Kadaver auch schon wieder verschwunden. Dafür taucht die äußerst attraktive Reiterin Rachele auf, die ihr wertvolles Pferd vermisst und dem Commissario schöne Augen macht. Eifersüchtig reagiert da Montalbanos Bekannte Ingrid, und seine Freundin Livia darf nicht einmal Wind davon bekommen, dass ihr Salvo zum verwirrten Zielobjekt weiblicher Begierden geworden ist. Wenigstens behält der Commissario den Überblick in Sachen Pferdemord – denn wie sich herausstellt, sind gleich zwei Pferde verschwunden, und da die Geschichte in Sizilien spielt, ist die Mafia natürlich auch nicht weit …

Mit Die Spur des Fuchses – in diesem Fall ein Pferd – habe ich meinen alten Freund Montalbano im wunderschönen Sizilien besucht. Es gab eine Zeit, da kannte ich ihn gut und verfolgte in meiner heißen Krimiphase vor etwa 10 Jahren all seine spannend-kuriosen Fälle. Andrea Camilleri gehört zu den wenigen Autoren, von denen ich nicht nur mehr als eins oder zwei, sondern sogar mehr als fünf Bücher gelesen habe, manche davon sogar im Original, wo sie freilich noch weitaus lustiger sind. Irgendwann hab ich mich von ihm und Krimis generell ab- und anderen Schriftstellern zugewendet. Als ich nun Montalbanos zwölfte Geschichte in der Buchhandlung liegen sah, bekam ich große Lust auf einen Kurzurlaub im herrlichen Sizilien. Also klopfte ich bei Salvo an, und wir verstanden uns auf Anhieb wieder so gut wie früher. Ich amüsierte mich über seinen unvergleichlichen Grant: „Jedenfalls glaube ich, dass der Vertrotteltere von uns beiden ganz zweifellos Sie sind“ und schüttelte lachend den Kopf über seinen tollpatschigen Umgang mit Frauen. Ich stand ihm bei der Suche nach des Rätsels Lösung zur Seite und genoss mit ihm die grandiosen Köstlichkeiten aus dem Meer: Krebse, Garnelen, geräucherten Thunfisch, Tintenfische in Orangenmarinade, Carpaccio vom Schwerfisch … hmmm. Dann verabschiedete ich mich und schloss hochzufrieden das Buch. Vielleicht sehe ich den alten Salvo ja mal wieder. Und nach Sizilien muss ich wirklich unbedingt …

Durchgekaut und einverleibt. Von diesem Buch bleibt …
… fürs Auge:
ein garstiges Cover, wenigstens ein Pferd wäre schön gewesen.
… fürs Hirn: von den literarischen Ermittlern, die ich kenne, ist Montalbano für mich der sympathischste.
… fürs Herz: ans Herz ist Salvo mir schon vor vielen Jahren gewachsen.
… fürs Gedächtnis: die vielen schönen Erinnerungen an meine literarischen Erlebnisse in Sizilien. Und der Gedanke, dass ich mich nicht so dagegen sträuben sollte, mal wieder ein Buch eines Autors zu lesen, mit dem ich etwas verbinde.

4 Comments

  1. Montalbanos Fälle habe ich zwar noch nicht gelesen, dafür war ich vor einigen Jahren mal auf Sizilien, im westlichen Teil der Insel, und war hin und weg angesichts ihrer Schönheit. Landschaftlich und kulturell eine der atemberaubendsten Gegenden, die Italien zu bieten hat.

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    1. Mariki Author

      Ach schööön. Ich bin neidisch! Aber ich komme da sicher auch noch mal hin. Und wenn du Lust auf Heiteres hast, solltest du unbedingt mal zum Camilleri greifen, denn du hast ja viel Bezug zu Italien und kommst sicher auch schnell in das Sizilianisch rein.

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      1. Ich bin verwirrt – warst du noch nicht auf Sizilien oder doch? Unter dem Punkt „… fürs Gedächtnis“ klingt es so. Falls nicht: Tu’s unbedingt, es lohnt sich allemal. Und ich lese im Gegenzug endlich mal einen Montalbano, das ist ja fast eine Bildungslücke. Aber ob ich schnell ins Sizilianische reinkomme, möchte ich bezweifeln. Ich hatte in meiner Zeit in Mailand einige sizilianische Kollegen, und wenn die mal richtig anfingen, ging gar nichts mehr – übrigens auch nicht für die Norditaliener 😉

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  2. Mariki Author

    Oh, na, ich meinte damit die literarischen Erlebnisse. Persönlich war ich nämlich leider noch nie dort …
    Ach, Camilleri macht das ganz harmlos und streut das nur ein bisschen ein, sonst können seine italienischen Leser ja auch nicht folgen 😀

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