Außer Konkurrenz

Dorothee Elmiger: Einladung an die Waghalsigen

Außer Konkurrenz
Margarete und Fritzi sind übrig geblieben in einem Gebiet, in dem es keine jungen Menschen mehr gibt, in dem einst Leben und Wohlstand war, weil Kohle abgebaut wurde. Doch unter der Erde brennt es, die Orte sind verlassen. Die Mutter ist fort, genauso wie der Fluss, den es vielleicht einst hier gegeben hat, Bonaventura hieß er, und die Mädchen wollen ihn finden. Dorothee Elmiger ist eine junge Schriftstellerin, die Literatur studiert hat – und in Einladung an die Waghalsigen Zitate von Friedrich Engels, Robert Walser, Émlie Zola und Joseph Conrad sowie vielen anderen frei verwendet, sie aneinanderreiht, mit eigenen Gedanken durchzieht, sodass ein wildes, tatsächlich waghalsiges Konglomerat aus Sätzen entsteht – das den Rahmen einer Romanhandlung sprengt, sich drumherum rankt wie stachelige Rosen. Teilweise steht nur ein Satz auf einer Seite oder paar mehr, richtig dicht wird die Leseatmosphäre nie. Manche Kritiker lobten die poetische Kühnheit des Romans, der mit Preisen bedacht wurde, andere sprachen von „Ostereiersuche für Literaturwissenschaftler“ und „dezentem Geschwafel“. Dieses Buch ist ein Experiment, das sich nicht einordnen oder bewerten lässt, nur seinerseits – wie es sich für die Autorin bewährt hat – zitieren, um einen Einblick zu geben in dieses Gebilde:

Hebt eure kleinen Fäuste wie Antennen zu den Himmeln.

Die Jugend liest Bücher und sucht einen Fluss. Die Jugend denkt daran, sich in Zukunft am Fluss zu treffen. Sie kann sich nicht an die Zeit vor dem Feuer erinnern, aber sie versucht es trotzdem. Reisen werden unternommen. Ein Pferd stößt dazu.

Es gab keine Landkarten, keine akkuraten Landkarten mehr für das nördliche Kohlerevier. Es fehlte auf allen Plänen, es war ein großer Fehler sozusagen, der Lauf der Straßen längst leicht verschoben, Hügel abgefallen, Ortschaften aufgehoben.

Abends um sieben sah ich Häuser, zum ersten Mal, sie tauchten auf am Straßenrand aus dem Nebel als stille Beistände.

Ich suchte das Echo nicht nur in den verlassenen Schächten, in die hinein ich rief.

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