Gut und sättigend: 3 Sterne

Marc Degens: Das kaputte Knie Gottes

Vom harten Los, ein Künstler zu sein – und ein Freund
Mark und Dennis sind seit der Schulzeit beste Freunde, gemeinsam aufgewachsen im Ruhrpott, und sie haben sich die Freundschaft bis ins Studium erhalten. Dabei sind sie grundverschieden. Dennis zieht es mit seinem ganzen Herzen zur Kunst, er lebt asketisch und fertigt überproportional große Plastiken von Gliedmaßen aus Beton. Markt lässt nichts anbrennen, gurkt durch sein Studium und lässt sich von Frauen umgarnen. Oder wie er die Unterschiede zwischen den Freunden ausdrückt: „Dennis trank keinen Alkohol, rauchte nicht, ging nicht ins Kino, hörte keine Musik, interessierte sich nicht für Fußball oder sonst einen Sport. Er ruhte in seiner eigenen Welt. Ich wäre vor Langeweile geplatzt.“ Vorbei ist es mit der Ruhe, als Dennis die Kommunistin Lily kennenlernt und sich verliebt: „Lily und Dennis waren ein Paar wie John Lennon und Yoko Ono, symbiotisch, unzertrennlich, nicht von dieser Welt.“ Das Schicksal hält noch mehr für Dennis bereit: Über absurde Umwege wird er über Nacht berühmt, taucht in die Berliner Kunstszene ein und reist um die Welt. Mark dagegen heiratet, wird sesshaft und stellt fest, dass man manchmal einen Freund ziehen lassen muss.

Das kaputte Knie Gottes – so heißt eine der Betonplastiken von Dennis – ist ein herrlich unterhaltsamer Roman, sarkastisch und pfiffig, eine Hymne an die Freundschaft, eine Persiflage auf die Kunstszene. Marc Degens hat allerhand gute Ideen und verrückte Einfälle in dieses Buch eingebaut: erheiternde Vorgänge in einem Pornokino, tausend Dosen Hundefutter, ein Theaterstück mit zwei Schauspielern, das nie aufgeführt wird, ein Riesenpenis, der aussieht wie eine Bürste und, und, und. Zum Glück wird der fiese Humor in Das kaputte Knie Gottes nie dumpfbackig oder banal. Dieses Buch handelt von jungen Menschen und ihren Idealen, die sich verändern. Sie werden erwachsen und lernen die Vorzüge von Geld, guter Gesellschaft und Ansehen zu schätzen – wobei ihre Freundschaft fast zwangsweise auf der Strecke bleibt. Das ist ehrlich, traurig, schmerzhaft und glaubwürdig – ein harmloser, sehr unterhaltsamer, gut geschriebener, in sich stimmiger Roman. Deshalb gibt es eine Empfehlung für alle, die mal wieder gepflegt schmunzeln möchten.

Durchgekaut und einverleibt. Von diesem Buch bleibt:
… fürs Auge:
nun ja – ist das die Bananenschale, die einem das Leben in den Weg wirft?
… fürs Hirn: ist das Kunst oder kann das weg?
… fürs Herz: der Schmerz, wenn eine Freundschaft zerbricht.
… fürs Gedächtnis: jede einzelne hochgradig lustige Szene – toll!

Das kaputte Knie Gottes von Marc Degens ist erschienen im Knaus Verlag (ISBN 978-3-8135-0426-2, 17,99 Euro, 256 Seiten).

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