Netter Versuch: 2 Sterne

Tom Drury: The end of vandalism

Shockingly boring
Eine kleine Stadt namens Grouse County, die nichts Besonderes zu bieten hat. Ein Sherrif namens Dan, der dort für Recht und Ordnung sorgt. Die Fotografieassistentin Louise und ihr Mann Tiny Darling, von dem sie sich scheiden lässt. Das ist das Setting von Tom Drurys hochgelobtem „modern classic“ The end of vandalism, das unter die „best of 45 years“ gewählt wurde. Das Leben ist beschaulich in Grouse County, träge, ereignislos, und nach der Trennung von Louise und Tiny heiratet die Frischgeschiedene den Sheriff. Man liebt sich nicht unbedingt über alle Maßen, aber man kommt gut miteinander zurecht. Beide gehen ihren Berufen nach, Louise hat eine nervtötende Mutter, Tiny trauert ihr ein wenig nach und weiß ansonsten nichts mit sich anzufangen, und ab und zu gibt es eine halbwegs interessante Veranstaltung in der Stadt. Meistens jedoch nicht. Denn in Grouse County passiert eigentlich nichts. Genau wie in diesem Buch.

The end of vandalism gilt als Klassiker und wurde sogar mit einem Vorwort versehen. Darin heißt es, das Buch sei „an intelligent and kindhearted examination of a group of economically adrift characters in the modern American Middle West. And it’s fucking funny“. In der Tat ist es jedoch eher shockingly boring. Tom Drury, der auch mit Die Traumjäger sehr erfolgreich ist, hat zwar eine Szenerie geschaffen – ein verschlafenes Nest – und sich ein paar Figuren erdacht, er hat nur leider über 300 Seiten lang vergessen, seinem Roman mit Handlung Leben einzuhauchen. Die Konstellation Louise, Tiny und Dan könnte eine vielversprechende Dreieckskonstellation ergeben – davon kann aber nicht die Rede sein. Es gibt keine Eifersucht, auch keine Liebesgeschichte, keine Prämisse, keinen Spannungsbogen, keinen Höhepunkt. The end of vandalism ist am ehesten noch eine Studie des amerikanischen Lebens – was ich aber eigentlich nicht hoffen möchte, denn dann wäre dieses unendlich fad. Die Beschreibungen im Buch sind schrecklich öde: „After getting the groceries, Tiny had to pick Joan Gower up and bring her home. They were still living in the basement of the church in Margo, and Joan served three nights a week as a volunteer at the Saint Francis House animal shelter in Wylie. It was a b it of a jaunt from Margo to Wylie, and Tiny wished she had found an animal shelter or some other volunteer outlet closer to home.“ Und so weiter, und so fort – auf diese Art ziehen sich die drögen Sätze seitenweise. Zudem führen die Menschen in diesem Roman keine normalen Gespräche, sondern erzählen einander nur völlig irrelevante Fakten. Als dann doch einmal etwas geschieht, als Dan und Louise mit einer privaten Tragödie konfrontiert werden, wird diese kaum thematisiert und dann, nachdem genug Zeit vergangen ist, einfach vergessen. Zu allem Übel hört das Buch sehr unvermittelt auf – und ich bleibe verwirrt und genervt zurück. Eine Haltung, mit der ich ziemlich allein dastehen dürfte, denn The end of vandalism bekam beste Kritiken und wurde sogar vorab in Auszügen im New Yorker publiziert. Ich kann nicht aufhören, mich darüber zu wundern.

8

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