Netter Versuch: 2 Sterne

Ljudmila Petruschewskaja: Es war einmal eine Frau, die ihren Mann nicht sonderlich liebte. Russische Schauergeschichten

Es war einmal …
… ein kleines Büchlein voller höchst ungewöhnlicher Geschichten, in denen Armut und Hunger, Mord und Seuchen vorherrschen. Der Untertitel verrät, dass die Autorin, eine der populärsten Figuren des russischen Untergrunds, in dieser Sammlung allerhand Schauerliches verarbeitet hat. Man stirbt sehr schnell bei Ljudmila Petruschewskaja, doch die Toten können sich je nach Wunsch noch einmal bei den Lebenden melden – Irreales ist hier nämlich ganz normal: „Plötzlich entdeckte er am Hals ein winziges Loch, aus dem Tränen flossen, als sei es noch ein zusätzliches Auge“ heißt es etwa, oder: „Es war einmal ein Mädchen, das starb und zurück ins Leben fand.“ Ein Zauberer macht aus zwei dünnen Mädchen ein einziges dickes, ein Kind lebt in einem Kohlkopf, und eine Frau bildet sich einen Poltergeist ein. Das ist kurios, wundersam und amüsant.

Ich habe Es war einmal eine Frau, die ihren Mann nicht sonderlich liebte einzig wegen des genialen Titels gekauft. Ljudmila Petruschewskaja wartet mit sehr unkonventionellen Ideen auf und präsentiert einen Reigen an absurden Einfällen. Manche ihrer Geschichten sind tatsächlich ordentlich schaurig, andere lösen bei mir reines Unverständnis aus. Womöglich ist mir der russische Schmäh ein Rätsel, zumindest lassen mich einzelne Kapitel in absoluter Ratlosigkeit zurück. Ich habe stellenweise auch das Gefühl, als verberge sich subtile Gesellschaftskritik zwischen den Zeilen, die ich aber nicht ganz entschlüsseln kann. Andere Geschichten dagegen sind unterhaltsam und schön originell. Am besten sind in der Tat stets die ersten Sätze: „Es war einmal ein Vater, der seine Kinder nicht finden konnte“ oder „Es war einmal ein sehr dickes Mädchen, das nicht ins Taxi passte.“ Ein Buch wie dieses habe ich definitiv noch nie gelesen, es garantiert angenehmen Grusel, aber auch viel Verwirrung.

Lieblingszitat: „Der Mensch fürchtet die Anwesenheit unbekannter Wesen, er fürchtet Insekten, winzige Ameisen im Bad, er fürchtet sogar eine einzelne betrunkene Schabe, die im narkotisierten Zustand vor der Ausrottungsschlacht der Nachbarn geflohen ist.“

0 Comments

  1. vom titel zum kauf verleiten lassen, gelesen und mit gemischten gefühlen zugeklappt. grundsätzlich mag ich schräge geschichten sehr gerne (ach was, ich liebe sie!), die hier zusammengefassten waren aber entweder unfassbar schräg oder unzureichend schräg, um mich zu begeistern. yo, eine 2 finde ich ganz angemessen :-)

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