Netter Versuch: 2 Sterne

John Irving: Die wilde Geschichte vom Wassertrinker

Ach Johnny, geliebter Johnny
Bogus bekommt ein Kind mit der amerikanischen Skiläuferin Biggie, die er in Österreich kennengelernt hat und die ihren Spitznamen ihrer Statur verdankt. Die Ehe der beiden ist jedoch nicht von Dauer – wie sonst auch alles in Bogus‘ Leben. Er kämpft seit Jahren mit seiner Doktorarbeit und dreht merkwürdige Filme mit dem Möchtegernregisseur Ralph. Sein Penis macht Probleme beim Urinieren, weshalb Bogus vor und nach dem Sex mit seiner Geliebten Tulpen viel Wasser trinken muss. Und Tulpen will auch noch ein Baby von ihm …

Ich habe schon oft und mit vielen Leuten über John Irving diskutiert, der offenbar in die Kategorie „Love it or leave it“ fällt. Ich bin pro Johnny, wollte aber nach Until I find you kein Buch mehr von ihm lesen, sondern die Genialität von Garp und Owen Meany in Ehren halten. Dann aber habe ich Die wilde Geschichte vom Wassertrinker geschenkt bekommen und konnte es natürlich nicht einfach stehen lassen im Regal. Doch, ach, es war enttäuschend: Dies ist in meinen Augen der schlechteste Irving. Ich kenne alle seiner Ansätze: die schwierige Vater-Sohn-Beziehung, das Ringen, die Liebe zur Stadt Wien, die Bären. Dies alles kommt in Die wilde Geschichte vom Wassertrinker aus dem Jahr 1972 bereits vor, in den nachfolgenden Büchern ebenfalls immer wieder. Ich vermisse aber den Witz und Esprit von Hotel New Hampshire oder das Absurde von Die vierte Hand. Dieser Roman ist im Vergleich recht eintönig und langweilig. Besonders öde finde ich die vielen Briefe. Auch den Perspektivenwechseln zwischen 1. und 3. Person kann ich nicht leiden. Ich habe mit John Irving schon viele schöne und heitere Stunden verbracht – allerdings nicht in Zusammenhang mit dem Wassertrinker. Ich denke, dabei sollten wir es nun belassen, etwas Besseres kann nicht mehr nachkommen und ich will diese Freundschaft in guter Erinnerung behalten.

0 Comments

  1. david

    …“aus Zufall vor 10 jahren gekauft“ …was war ich dankbar…und ist mir in guter erinnerung….kein buch irvings vorher oder nachher liegt so nahe an der realität……tränen gelacht hab ich…..:-) …“Wohin soll es gehen?“ fragen wir uns doch alle mal wenn wir uns der MITTE unseres lebens nähern…..;-) …fast philosophisch dieses Buch …..aus dem Leben und narürlixh nichts für „Marcel – Reich Ranizckis“ ….der konnte auxh jeden Beststeller zereissen…. 😉

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    1. david

      „Ein früher, vielleicht Irvings bester Roman. So zwerchfellerschütternd schrill, so wüst, so zärtlich hat der Amerikaner seither nie wieder geschrieben“ – stern – Hamburg

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  2. Mariki Author

    Mir haben die anderen „Klassiker“ aus Irvings Hand viel mehr zugesagt – Garp und Owen Meany, die Witwe für ein Jahr, wie hab ich sie geliebt! Sie sind in meinen Augen viel wilder, aufregender, verrückter, lehrreicher, schöner. Vielleicht hätte ich den Wassertrinker früher lesen sollen … so aber war ich zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens schon ein wenig übersättigt von meinem lieben John.

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