Netter Versuch: 2 Sterne

Pierre Szalowski: Bei Kälte ändern die Fische ihre Bahnen

„Schön soll das Leben sein, schön!“
„Mathematik ist wie Poesie. Jede Zeile, jede Formel muss sich auf die nächste reimen, nur dann wird alles ein langes und schönes Gedicht.“ Ein solches Gedicht will der russische Mathematiker Boris schaffen: Seit vier Jahren beobachtet er für seine Doktorarbeit die Bahnen seiner Fische. Als ein katastrophaler Eisregen über Toronto hereinbricht, steht Boris wegen des Stromausfalls vor dem Ende seiner Forschung. Doch dann kommt er bei der Stripperin Julie unter … Schuldig am Eisregen fühlt sich der elfjährige Ich-Erzähler. Der hat sich nämlich gewünscht, dass „der Himmel etwas machen soll“, damit seine Eltern sich nicht trennen. Und nach anfänglichen Schwierigkeiten sieht es ganz so aus, als würde sein Wunsch in Erfüllung gehen …

In Bei Kälte ändern die Fische ihre Bahnen wird es arktisch kalt – und deshalb rücken die Menschen näher zusammen. „Die wahre Natur des Menschen zeigt sich, wenn er in der Scheiße sitzt!“, schreibt der kanadische Autor Pierre Szalowski und lässt den Leser in eine Siedlung in Toronto blicken, in der die Bewohner plötzlich aufeinander angewiesen sind. Ein schwules Pärchen, der Alkoholiker Alexis und sein vernachlässigter Sohn oder die Eltern des elfjährigen Jungen: Das eisige Wetter bringt sie dazu, sich miteinander zu beschäftigen, einander zuzuhören, aufeinander zuzugehen. In einer simplen, liebevollen Sprache erzählt Pierre Szalowski von Menschen, die sich eingeigelt haben in ihrer Selbstsucht – und auf einmal daran erinnert werden, dass es auch andere gibt. Das ist schön, herzerwärmend und sehr, sehr kitschig. Das vorhersehbare Happy End ist wirklich happy – nicht umsonst heißt eines der Kapitel „Ende gut, alles gut“ – und lässt gleich alle Wünsche auf einmal wahr werden. Ich habe da gar nichts dagegen, fühle mich am Schluss aber doch etwas übersättigt von all der Süße. Pierre Szalowski hat in diesem Roman nette Begebenheiten gesammelt, Tiefgang hat die Geschichte aber nicht. Dies ist ein Buch wie Zuckerwatte: duftig, locker, köstlich, aber auch ein bisschen gehaltlos und klebrig. Manchmal muss es jedoch einfach was richtig Süßes sein.

Lieblingszitat: „Viele Menschen nutzen die Zeit unter der Dusche gerne zum Nachdenken. Mein Vater und meine Mutter mussten doppelt so viele Gedanken haben, da sie zu zweit darunter standen.“

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