Gut und sättigend: 3 Sterne

Martin Suter: Ein perfekter Freund

Nette Unterhaltung vom Bestsellerautor
Stell dir vor, du wachst auf und 50 Tage deines Lebens sind aus deinem Gedächtnis verschwunden. So ergeht es dem Journalisten Fabio, der mit einer Kopfwunde im Krankenhaus liegt und nicht weiß, wie er dort gelandet ist. Schlimmer noch: Die attraktive Frau namens Marlen, die ihn täglich besucht und die seine Freundin sein soll, hat er noch nie gesehen. Warum ist er nicht mehr mit Norina zusammen, wieso will sie nicht einmal mit ihm reden? Hat er tatsächlich seinen Job gekündigt? Und was ist das für eine „große Sache“, an der er angeblich dran war? Fabio kann sich nicht erinnern und sucht mühevoll nach den abhanden gekommenen Puzzleteilen. Sein bester Freund Lucas will ihn, statt ihm zu helfen, davon abhalten. Mit gutem Grund: Als Fabio der Wahrheit immer näher kommt, wird es gefährlich …

Der Bestsellerautor Martin Suter produziert Bücher am laufenden Band. Bei ihm stehen nicht Sil und Sprache im Vordergrund, sondern die Geschichte. Der bekannte Schweizer Schriftsteller ist ein Erzähler, der sich nicht schert um holprige Formulierungen und Wortwiederholungen, die Worte scheinen ihm nur das nötige Handwerkszeug zu sein, um die Handlung voranzutreiben. So ist es auch in Ein fast perfekter Freund; und wenn man über manchen nicht gerade glanzvollen Satz hinwegsieht, kann man sich von diesem Roman gut unterhalten lassen. Die Dialoge sind pointiert und kraftvoll, die Schweizer Sprachfärbung sorgt für Authentizität. Eigentlich wollte ich nach Lila, Lila, von dem ich nur mäßig begeistert war, nicht unbedingt noch ein Buch von Martin Suter lesen. Doch als mir Ein perfekter Freund für wenig Geld in die Hände fiel, habe ich es doch mitgenommen – und ein paar kurzweilige Stunden damit verbracht. Mir gefällt die Idee hinter dem Buch: dass einer aufwacht und sich nicht erinnern kann, dass er zwei Monate seines Lebens rekonstruieren muss und dem Rätsel seines Unfalls auf die Spur kommen will. Das ist ebenso unterhaltsam wie spannend, auch wenn man als aufmerksamer Leser recht bald einen Verdacht hegt, was passiert sein könnte. Amüsant ist, wie Fabio nach und nach entdeckt, dass er vor seinem Gedächtnisverlust ein richtiges Arschloch war. Ein perfekter Freund punktet mit der Handlung und ist eine leichte Lektüre für zwischendurch.

0 Comments

  1. Die Art Suters zu schreiben hast du schon formuliert. Es gab ja gerade vor ein paar Wochen andere, die es deutlicher sagten… ähnlich habe ich es seinerzeit übrigens auch gesehen: „Die Sprache von Suter ist einfach und unprätentiös, knapp und auf Klarheit hin konzipiert. Weitschweifiges gibt es nicht bei ihm, ebenso wenig wie fabulieren oder vom Thema abschweifen.“ Aus der Zeit, als meine Besprechungen noch kurz waren…. *gg*

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