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Zoe Wicomb: Playing in the light

Weiß und Schwarz und alles dazwischen
Marion lebt in Südafrika und führt erfolgreich ein Reisebüro – und das, obwohl sie selbst das Reisen hasst und es noch nicht einmal schafft, einen Wochenendausflug zu machen. Dazu würde sie ihr Freund Geoff ganz gern überreden, doch Marion weiß nicht einmal, wie ernst ihr die Beziehung zu ihm ist. Sie ist einigermaßen behütet aufgewachsen, ihre Mutter Helen ist an Krebs verstorben, ihr Vater John hat sich in die Einsamkeit zurückgezogen, aus der ihn nur Marions Besuche reißen. Durch ein mysteriöses Foto in der Zeitung wird sie auf die Geschichte ihrer Familie aufmerksam und beginnt gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Brenda zu recherchieren: Waren ihre Eltern wirklich so „weiß“ wie gedacht?

Playing in the light wäre im besten Fall ein guter Roman über die Apartheid in Südafrika, über die Rassengesetze und ihre Auswirkungen bis in die heutige Zeit. Ansatzweise ist es auch gelungen, dieses interessante Thema zu bedienen – gesamt gesehen bleibt das Buch allerdings oberflächlich und bedeutungslos. Marion ist eine eigenartige Protagonistin, zu der ich nicht den geringsten Zugang finde. Ihre Handlungen sind sprunghaft, ihr Seelenleben verwirrend. Zoe Wicomb fährt keine gerade Linie, die Ereignisse sind daher für mich manchmal nicht nachzuvollziehen. Da Marion sich an zu wenig aus ihrer Vergangenheit erinnern kann und bei ihrer Suche nicht allzu viele Antworten findet, bleibt das meiste auch am Ende Spekulation. Und selbst wenn ich nicht ganz unwissend bin, was die Apartheid betrifft, fehlt mir doch an der einen oder anderen Stelle eine umfassende Erklärung über die geschichtlichen Hintergründe. Die Geschichte fesselt nicht, der Stil ist zäh und langweilig. Schade ist, dass die Thematik über Menschen, die hellhäutig genug sind, um sich als Weiße auszugeben und die dann ihr Leben in Angst verbringen, viel verspricht, das Buch dieses Versprechen jedoch nicht halten kann. Enttäuschend!

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