Gut und sättigend: 3 Sterne

Robert Schneider: Die Offenbarung

Eine ironische Erzählung rund um Johann Sebastian Bach
Er selbst hält sich für einen der größten Bachkenner: der Naumburger Organist Jakob Kemper. Leider sieht das aber außer ihm niemand so. Deshalb bekommt er von der verehrten Bachgesellschaft auch nur einen unfreundlichen Schmähbrief, als er seine Hilfe bei der Restaurierung der Orgel anbietet, auf der Bach selbst einmal gespielt hat. Kemper ist entzürnt, doch dann spielt ihm der Zufall einen sensationellen Fund in die Hände: ein bisher unentdecktes Originalmanuskript von Bach persönlich. Kemper kann sein Glück kaum fassen – und gerät völlig aus dem Gleichgewicht. Denn nicht genug damit, dass Bachs geheime Musik Kemper berühmt machen könnte, sie scheint auch noch unheimliche Vorgänge auszulösen, und Kemper weiß bald nicht mehr, ob er träumt oder wacht. Im Angesicht der arroganten Herren von der Bachgesellschaft droht er beinahe zu platzen. Und dann kommen ihm auch noch seine Gefühle für Reisekauffrau Lucia in die Quere …

Robert Schneider wurde als Autor von Schlafes Bruder weltberühmt – mit einem Buch, das in 38 Sprachen übersetzt und verfilmt wurde. Als mir Die Offenbarung für kleines Geld in die Hände fiel, war ich neugierig. Und es ist dem Autor tatsächlich gelungen, mich zum Schmunzeln zu bringen. Sein Protagonist Jakob Kemper ist eine jener gescheiterter Figuren, denen immer ein Büschel Haare vom Kopf absteht, die einen dezent verwirrten Blick haben und die nie die Ziele erreichen können, die sie sich setzen. Wie Kemper seinen großen Trumpf, das gefundene Bach-Manuskript, nicht nutzt bzw. mit welcher Ironie Robert Schneider ihm am Ende sein eigenes ewiges Scheitern vor Augen führt, ist ebenso tragisch wie amüsant. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der mystische Ton, der im Roman mitschwingt, Realität und Fantasie mischen sich stellenweise, Vergangenheit und Zukunft suchen Kemper heim, eine unheimliche Gestalt verfolgt ihn. Diese irrealen Elemente hat der Autor aber gut eingebunden, vermischt mit Alkohol und allgemeinen paranoiden Gedanken, sodass sie nicht allzu abschreckend wirken. Auffallend gut recherchiert hat er über Bach, seine Musik und sein Leben, sehr schön sind auch die Notenschlüssel am Beginn der jeweiligen Kapitel. Einen Pluspunkt gibt es zudem für die vulgäre und lebensechte Sprache, die mit Bissigkeit und Schimpfwörtern verblüfft. Insgesamt ist Die Offenbarung ein unterhaltsames, ironisches und flüssig zu lesendes Buch über einen liebenswerten Kauz, der so gern ein anderer wäre.

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