Gut und sättigend: 3 Sterne

Barbara Demick: Die Kinogänger von Chongjin

Vom Leben in einer Diktatur
Sie sind geflohen und leben fern der Heimat: die Menschen, mit denen Barbara Demick gesprochen hat. Ihre Heimat versinkt im Dunkel, und zwar sprichwörtlich: Aus dem Weltall sieht man hier keine Lichter, nichts, das leuchtet und auf Leben hinweist. Die Rede ist von Nordkorea. „Uns fehlt es an nichts in der Welt“ singen die Nordkoreaner, doch eigentlich fehlt es ihnen an allem: an Nahrung, Strom, an Lebensfreude, Privatsphäre und ganz einfach Freiheit. Schon als Kinder werden sie indoktriniert, im Westen, so lernen sie, gehe es allen Menschen viel schlechter als ihnen. Ein Entkommen gibt es kaum, und die verheerende Hungerkatastrophe der Neunzigerjahre fordert zwei Millionen Leben. Unter Kim Il Sung und später Kim Jong Il, die sie wie Götter verehren, kennen die Menschen nur Arbeit, Leid und Not.

Barbara Demick ist Journalistin und Korea-Expertin. Für ihren Bericht über das Leben in Nordkorea hat sie mit vielen Menschen geredet, hat sich ihre Lebensgeschichte angehört, ihnen behutsam Fragen gestellt, hat sich für sie interessiert. Sie erzählt von Mi-ran und ihrem Verehrer Jun-sang, die sich nur heimlich in der Dunkelheit treffen konnten, von der Ärztin Kim Ji-eun, die ihren Patienten nicht helfen kann, und von Song Hee-suk, die mit bitteren Zweifeln am Regime zu kämpfen hat. Wie es um Nordkorea steht, das ist uns bekannt – aber das Land ist weit weg. Wie lebt man dort wirklich? Die Autorin liefert eine brillante Reportage, mischt Fakten und Fiktion, bereitet die Info im Romanstil auf. Das ist beeindruckend und bewegend. In meiner China-Kommunismus-Autobiografie-Phase habe ich viele vergleichbare Bücher gelesen, jedoch nichts über Nordkorea. Die Zeitzeugen liefern ein beängstigendes Bild dieses verhungernden Landes. Barbara Demick hat eine kritische Sicht, zeigt aber auch Verständnis für die Menschen. Ein Einblick in eine weit entfernte und nicht lebenswerte Welt.

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