Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Clemens J. Setz: Die Frequenzen

Formvollendet
Sie kannten sich in ihrer Kindheit: Walter und Alexander. Nun, Jahre später, berichten sie beide aus ihrem Leben: Walter ist der Sohn eines berühmten Architekten, planlos bei seiner Berufswahl, mit dem neuen Ziel, Schauspieler zu werden. Alexander dagegen arbeitet als Altenpfleger, ist mit seinem Leben unzufrieden und hat eine komplizierte Beziehung mit Lydia, die mit allerlei psychischen Problemen kämpft. Und dann gibt es eine Person, die die beiden jungen Männer verbindet: die Therapeutin Valerie. Alexander begegnet ihr über seine Arbeit, Walter soll in ihren Therapiesitzungen bei Rollenspielen auftreten. Das gerät jedoch ein wenig aus den Fugen. Und als Valerie brutal zusammengeschlagen wird, bricht unentwirrbares Chaos aus.

Clemens J. Setz, ein vielgelobter sehr junger österreichischer Schriftsteller, hat es mit Die Frequenzen auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Wie schreibt er also? Gut. Sehr pointiert, mit schönen Formulierungen, auf den Punkt gebracht. Teilweise scheint mir der Stil etwas zu bemüht, da ist er nicht flüssig, sondern wirkt eher so, als hätte der Autor die Metaphern absichtlich gedreht, umgelegt, um sie besonders auffällig und ungewöhnlich machen. Das ist aber nur stellenweise der Fall, grundsätzlich bleiben die Sprachbilder im Rahmen des Vorstellbaren. Was den Inhalt angeht, so wird dieser im zweiten Teil des Buchs immer abstruser. Worum geht es eigentlich? Die Väter spielen eine wichtige Rolle, sowohl bei Walter, der im Vaterschatten steht, als auch bei Alexander, der von seinem Erzeuger verlassen wurde. Dies ist ein Buch über das Vor-sich-hin-Leben, das Planlos-Sein, das Ein-wenig-verloren-Sein. Höhepunkt der Story ist auf jeden Fall der Angriff auf Valerie. Danach gerät der Roman aus den Fugen, als ginge ihm die Luft aus, immer mehr Personen tauchen auf, sogar ein Hund bekommt eine eigene Perspektive, was ich sehr irritierend finde. Es scheint, als habe sich der Autor irgendwie verrannt, das Ende lässt mich eher grübelnd zurück. Das ändert allerdings nichts an der wunderbaren Sprache, mit der Setz wirklich beeindrucken kann.

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