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Alessandro Piperno: Mit bösen Absichten

Sarkasmus auf Italienisch
Bepy Sonnino war ein Lebemann, ein Frauenheld, ein Charmeur, ein Gauner. Als römischer Jude überlebte er den Holocaust und häufte durch Gier und Rücksichtslosigkeit ein Vermögen an – das er wieder verlor. Er stürzte seine Familie ins Unglück und wurde von ihr dennoch bis zum Schluss auf ein Podest gestellt. Gestorben ist er an Prostatakrebs, denn eine Operation verweigerte er – weil er dadurch impotent hätte werden können. Und für Bepy war ein guter Fick das Wichtigste. Erzählt wird die Geschichte von Bepys Enkel Daniel, einem erfolglosen 30-jährigen Doktor der Literatur, Strumpfhosenfetischist und Single. Er hat seit seiner späten Jugend eine Obsession für die schöne Gaia. Und von Bepy hat er in erster Linie eine unsympathische Arroganz geerbt, die ihn im Leben scheitern lässt.

Mit bösen Absichten ist ein italienischer Roman über italienische Eigenschaften: Selbstverherrlichung, Machotum und eine übertriebene Gewichtung der Familienehre. Die Figuren im Roman sind rassistisch, intolerant und frauenfeindlich. Kein Wunder, dass die Kritiker das Buch als „schonungslos ehrlich“ und „herrlich perfide“ feierten, Piperno gewann zudem die wichtigsten italienischen Literaturpreise. Nur lässt der Autor seinen Protagonisten meiner Meinung nach allzu oft gegen die typischen Feindbilder wettern und nutzt den Deckmantel der Ironie gefährlich ab. Das klingt dann beispielsweise so: „Und man muss bedenken, dass die Schwulen wie die Juden und die Neger sind: Es ist schön, die Idee zu lieben, die sie repräsentieren, es ist schön, zu wissen, dass es sie gibt, aber es ist absolut anstößig, mit ihnen zu verkehren.“ Da steckt natürlich – wie in vielen anderen Formulierungen – ein Körnchen Wahrheit. Der überzogene Sarkasmus geht aber stellenweise nach hinten los. Es ist halt auch sehr einfach, sich über die alten Tabus zu mokieren. Lockt das denn tatsächlich noch jemanden hinter dem Ofen hervor?!

Das ist jedoch nicht mein Hauptproblem mit Mit bösen Absichten. Vielmehr geht die Geschichte ins Leere. Bepy als vermeintliche Hauptfigur bleibt eine Statue, ein Symbol, oberflächlich und leer. Daniel selbst ist ein langweiliger und sinnloser Mensch. Eine Handlung gibt es nicht. So besteht das Buch im Endeffekt aus einer Aneinanderreihung von vermeintlich bösen Ansichten, intellektuellen Einwürfen und abgehobenen Ideen über die Menschheit. Eine chronologische Reihenfolge der Ereignisse herrscht nicht vor, das Skelett des Romans wird nicht mit Inhalt gefüllt. Es passiert herzlich wenig, vielmehr werden die einzelnen Familienmitglieder kurz vorgestellt – immer in Verbindung mit ihren äußerst bedenklichen Meinungen über Juden, Schwule und Neger (ja, schön, eine vielfache Verwendung eines Tabuworts macht offensichtlich einen literarischen Erfolg, deshalb kommt auch oft Ficken vor). David mag sowieso niemanden, schon gar nicht sich selbst. Der Stil ist extrem exaltiert und geschwollen, es gibt viele Klammern, die Anrede wechselt immer wieder unvermittelt in die Du-Form, die Zeit springt beliebig hin und her. Ach, langer Rede kurzer Sinn: nicht gut!

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