Gut und sättigend: 3 Sterne

Karen McLeod: In search of the missing eyelash

Stalking, Sex und Schwangerschaft
Lizzie hatte die große Liebe schon gefunden: mit Sally. Nur leider sah Sally das nicht so, sie hat Lizzie verlassen – ausgerechnet für einen Mann. Der hat auch noch einen dicken Hals. Zudem ist Lizzies Bruder – der sich immer schon wie eine Frau gefühlt hat – verschwunden, die Polizei ist ratlos. Lizzies Mutter ist ihr auch keine Hilfe, sie verlässt ohne ein Wort des Abschieds die Stadt. Kein Wunder, dass sich Lizzie allein und unverstanden fühlt. Nur ihre Freundin Petula steht ihr bei und begleitet sie sogar, als Lizzie heimlich Sally bis in deren Liebesurlaub verfolgt. Allerdings wissen Petula und Sally nichts davon. Genauso wenig wie von Lizzies Einbrüchen in Sallys Wohnung, bei denen sie Haare und Fotos stiehlt, um sie an ihren Kühlschrank zu kleben. Sie klammert sich an die Erinnerung und will sich innerlich nicht von Sally trennen – denn dann würde ihr wirklich gar nichts mehr bleiben.

In search of the missing eyelash ist eine Geschichte über die Liebe, die unabhängig vom Geschlecht auftaucht und wieder verloren geht. Lizzies Homosexualität an sich ist kein Thema, sie muss nicht in irgendeiner Weise erklärt werden. Karen McLeod erzählt von einem Menschen, der einsam ist und schwach, der sich dazu hinreißen lässt, in die Privatsphäre desjenigen einzudringen, der ihm das Herz gebrochen hat. Sie lässt ihre Protagonistin bizarre Dinge tun, von denen so mancher Leser vielleicht auch schon fantasiert hat, auch wenn er das nie zugeben würde. Das Buch wird dabei aber nie klischeehaft, ganz im Gegenteil: Die Autorin tobt sich aus, entwirft spritzige Dialoge, macht ihre Figuren dick, tollpatschig und von zweifelhaftem Charakter, und bei manchen Ereignissen bekomme ich den Eindruck, dass es ihr völlig egal ist, ob das noch jemand gut findet. Dieses Buch ist anders. Es ist traurig und deprimierend, amüsant und verblüffend. Dabei muss man als Leser viel Aufmerksamkeit und Konzentration aufbringen, um dem verqueren Schreibstil und den merkwürdigen Geschehnissen folgen zu können: Neben dem Stalking kommt viel Sex vor, noch mehr Alkohol und eine eventuelle Schwangerschaft. In search of the missing eyelash zeigt, dass das Leben nicht immer lustig ist und heiter. Und dass wir alle manchmal ein bisschen sind wie Lizzie: hilflos und ganz schön verrückt.

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