Gut und sättigend: 3 Sterne

Selim Özdogan: Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist

Rasant und komisch
Alex ist verliebt in Esther. Wie sich diese Beziehung entwickelt, wer sich einmischt und wie es eigentlich ist, erwachsen zu werden, davon handelt Selim Özdogans Roman aus dem Jahr 1995 mit dem herrlichen Titel Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist. In diesem Buch gibt es keine großen Überraschungen, weder inhaltlich noch stilistisch. Es ist gut und flott geschrieben, der Autor fühlt sich ein in die Welt eines jungen Mannes, der sich treiben lässt und sich nicht festlegen will auf einen endgültigen Lebensentwurf. An die Uni geht er kaum, das Jobben nimmt er auch nicht ernst. Er feiert gern, betrinkt sich bei jeder Gelegenheit und hängt mit seinen zwei besten Freunden ab. Zwischendurch schreibt er Gedichte. Die Liebe zu Esther ist ihm allerdings ernst – ernster als ihr. Und wie weh das tut, ob beim ersten oder beim wiederholten Mal, davon erzählt Selim Özdogan in diesem Roman.

„Fröhliche Musik muss man laut hören, es dürfen keine Nebengeräusche überleben, jede Faser des Körpers muss erfasst werden, der Brustkorb muss vibrieren, man muss erfüllt werden von der ganzen Kraft, man muss sie verinnerlichen man muss sich ganz auf die Magie einlassen.“ Mit solchen Sätzen weckt das Buch mit dem langen Titel die Erinnerung daran, wie es ist, jung und frei zu sein, das Leben vor sich zu haben, zu träumen. Das zu lesen, ist keine Offenbarung, aber unterhaltsam. Die Sprache ist betont rotzig, das muss man natürlich mögen. Mir liegt es nicht unbedingt, trotzdem finde ich das tote Pferd okay – als entspannende Literatur für zwischendurch.

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