Gut und sättigend: 3 Sterne

Tomasi di Lampedusa: Il Gattopardo

Ein italienischer Klassiker
Il Gattopardo ist Pflichtlektüre für Italienischstudierende. An der Uni hab ich mich erfolgreich davor gedrückt, nun habe ich es doch gelesen: Es hat allerdings 6 Monate gedauert. Dabei wurde das Buch in meiner Wohnung schon fast zum Möbelstück – es lag immer irgendwo herum und wartete geduldig, dass ich es wieder in die Hand nehmen und ein paar Seiten lesen würde. Erster Eindruck: Für eine Pflichtlektüre nicht so übel. Zwar hatte ich mit der altertümlichen Sprache und einigen Wörtern, die ich nicht kannte, zu kämpfen, der Sinn erschloss sich mir aber dennoch: Tomasi di Lampedusa porträtiert eine Fürstenfamilie in Sizilien zwischen 1860 und 1910. Protagonist ist Don Fabrizio, der Herzog von Salina, der mit Frau und Kindern ins Sommerschloss in Donnafugata zieht, wo sich sein Neffe Tancredi in die schöne Angelina verliebt, deren Vater zwar reich, aber neureich ist. Verliebt in Tancredi wiederum ist seine Cousine Concetta. Zu dieser Zeit ist Italien im Umbruch, Tancredi nimmt teil an Garibaldis Aufstand 1860, die Gesellschaft wandelt sich, das Bürgertum mausert sich, der Adel verliert an Macht.

Il Gattopardo gibt Einblick in das herrschaftliche Leben der Salinas, die angeblich nach dem Vorbild von Tomaso di Lampedusas eigener Familie geschaffen wurden. Dabei stellt der Autor dieses edle Geschlecht so vor, wie man sich das denkt: Es gibt rauschende Bälle, festliche Abendeinladungen, allerhand Schnickschnack, viele Regeln, viel Politik. Dennoch fasst er seine Charaktere nicht mit Samthandschuhen an, er präsentiert sie mit all ihren Fehlern und Eitelkeiten und gibt seiner Erzählung einen sehr ironischen Unterton. Zudem greift er stellenweise innerhalb der (Menschheits-)Geschichte vor, was irritierende, aber interessante Stilbrüche ergibt. So heißt es beispielsweise, als Tancredi und Angelina einander näher kommen und gemeinsam den Palast durchstreifen auf der Suche nach Gelegenheiten für gestohlene Küsse, dass das die schönste Zeit der beiden bleiben wird, denn ihre Ehe wird diese verliebten Versprechen nicht halten können, auch nicht im Bett. „Certo, l’amore“, denkt Don Fabrizio, „Fioco e fiamme per un anno, cener per trenta.“ Ja, die Liebe – Feuer und Flamme für ein Jahr, Asche für dreißig. Das bringt auch das zentrale Thema des Romans auf den Punkt: das Vergängliche. Die aristokratische Familie ist – gesellschaftlich gesehen – dem „Untergang“ geweiht, genau wie die Liebe.

Warum Il Gattopardo so eine wichtige Rolle spielt in der italienischen Literatur, ist mir nun klar: Dieser Roman handelt einen Teil der italienischen Geschichte ab und zeigt eine Familie, wie es viele gab im Sizilien des 19. Jahrhunderts. Zudem können die Italienischprofessoren an der Uni die Studierenden mit vielen schwierigen Wörtern und interessanten Interpretationen quälen. Aber für alle Interessierten: Das Buch gibt’s selbstverständlich auch auf Deutsch!

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