Netter Versuch: 2 Sterne

Gerhard Roth: Der See

Nette Idee, langweilige Umsetzung
Pharmavertreter Paul Eck hat seinen Vater seit 30 Jahren nicht gesehen. Die Eltern sind geschieden bzw. die Mutter ist längst tot, Vater und Sohn haben keinen Kontakt. Daher ist Eck überrascht, als ihn in Triest mit der nachgesendeten Post eine Einladung seines Vaters zum Segeln am Neusiedlersee erreicht. Er macht sich auf den Weg dorthin, doch während er erschöpft schläft, tobt ein Sturm über dem See – und Ecks Vater verschwindet spurlos. Polizei und Rettungsmannschaften durchforsten den See und die Umgebung nach ihm, Eck quartiert sich in einem Wohnwagen voller Silberfische ein und bleibt eine Weile am See. Er übernimmt die Vertretung für einen Kollegen und klappert mit seinem Medikamentenmusterkoffer die Ärzte in der Umgebung ab, die Tabletten schluckt er bei jeder Gelegenheit selbst, denn er ist süchtig danach. Obwohl er kein Interesse daran hat, den Vater zu finden, sucht er mit seinem Jugendfreund Robert nach ihm und spricht auch mit seiner Stiefmutter und seinem Stiefbruder. Am Ende löst sich alles auf – aber ein „Detektivroman“ ist das trotzdem nicht.

Stellt sich allerdings die Frage, was es dann ist. Auf jeden Fall ist es leider recht langweilig. Pharmavertreter Paul Eck ist genauso, wie er sich anhört: uninteressant. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist nicht existent, daher gibt es darüber auch nichts zu berichten. Sein Job ist öde, sein Leben unfassbar normal – wenigstens kommt er, was die Liebe betrifft, zwei Mal spontan zum Schuss, wobei er einmal dafür bezahlen muss. Auf spannende Elemente warte ich leider vergeblich. Gerhard Roth hat die Spannung dadurch, dass der Sohn sich nicht für das Verschwinden des Vaters interessiert, von vornherein gekillt. Dass Eck selbst verdächtigt wird, ist nur logisch und daher auch nicht besonders aufregend. Die „kriminellen Machenschaften“, die sich hinter den ganzen Ereignissen verbergen, sind … nun ja … gähn. Es gibt nicht viel über den Inhalt zu erzählen und daher auch nicht viel zum Buch zu sagen. Stilistisch erinnert es mich ein wenig an Arno Geiger und Peter Stamm, die ja beide recht gelobt werden, bei denen ich mich aber sauber gelangweilt habe. Das gilt auch für Der See.

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