Gut und sättigend: 3 Sterne

Richard Yates: Easter Parade

Außen hui, innen pfui
Richard Yates – dessen Roman Zeiten des Aufruhrs letztes Jahr in die Kinos kam – porträtiert den amerikanischen Mittelstand, die Vorstadtbürger, deren Leben vordergründig so sauber, so lustig und so bunt ist. Dahinter jedoch lauern, wie wir alle wissen, Abgründe. Im Fall von Easter Parade lernen zwei Frauen, die Schwestern Sarah und Emily, diese Abgründe kennen: Als sie noch klein sind, in den 1930er-Jahren, lassen ihre Eltern sich scheiden, die Mutter, die Pookie genannt werden will, zieht ständig mit ihnen um und hat ein Alkoholproblem. Als Erziehungsberechtigte ist sie unbrauchbar. Sarah heiratet früh, Emily geht aufs College und lässt nichts anbrennen: Sie wechselt die Männer in Rekordzeit. Aber schnell stellt sich heraus, dass beide mit ihrem Lebensmodell nicht das Glück gefunden haben.

Easter Parade ist die Studie einer Frau – Emily, der wir als Leser folgen – , an der eigentlich nichts besonders ist: Sie macht Karriere, lernt viele Männer kennen und lebt vor sich hin. Am Verlauf der Handlung hat mich nichts überrascht (bis auf das Ende), da Yates viele Klischees aufwirbelt und hinter der Fassade der beiden Frauen das aufdeckt, was man dahinter erwartet: Unzufriedenheit, Perspektivenlosigkeit, häusliche Gewalt, Alkohol und Selbstsucht. Erstaunt hat mich dagegen Emilys Verhaltensweise, ihr eiserner Egoismus und ihre Weigerung, zu helfen. Das ist nicht das Bild, das man von seinen Mitmenschen hat bzw. haben möchte: dass sie nur an sich denken. Und doch hat Yates damit genau einen Knackpunkt getroffen: weil es natürlich so ist.

Der Erzählstil wirkt auf mich sehr träge, stellenweise ein wenig oberflächlich. Das mag damit zusammenhängen, dass die Jahre in Easter Parade rasend schnell vergehen und wir uns immer wieder in das Leben von Emily einklinken, ohne so richtig an dessen Entwicklung teilzuhaben. Beeindruckend ist, wie Yates sich in eine Frau hineinfühlt, die alles andere ist als sympathisch – und gerade dadurch authentisch. Was also kann uns dieser Roman sagen? Nichts, was wir nicht schon wüssten: dass das Leben oft traurig und einsam und dann auf einmal viel zu schnell vorbei ist. Aber Yates erzählt es glaubwürdig und lesenswert.

4 Comments

  1. fensterblick

    Als der Film rauskam, wollte ich erst das Buch lesen und dann den FIlm sehen. Habe dann aber per Zufall den FIlm vorm Buch gesehen bzw. gelesen und war schon vom FIlm enttäuscht, deshalb habe ich das Buch nicht mal angefasst. habe doch gesagt, ließ Gatsby 😉

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      1. fensterblick

        Es geht mir nicht um die schauspielerische Leistung wenn ich sage, dass mir der Film nicht gefallen hat. Mir hat i ndem Film einfach was gefällt. Er war nicht komplett wie ich finde.

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  2. Mariki

    Hm. Ich fand ihn sehr gut … sehr erschreckend. Wie dieses klischeehafte Vorstadtidyll komplett auseinanderfällt – und dass es so tragisch endet.

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