Gut und sättigend: 3 Sterne

Jack Kerouac: On the Road

Ein Roadtrip anno 1947
Jack Kerouac ist ein Autor, den man mit der Beat-Generation der beginnenden Fünfzigerjahre in Verbindung bringt: Mit On the Road wurde er berühmt. In diesem halbautobiografischen Roman erzählt er von Sal Paradise, der 1947 von New York nach Denver und weiter nach San Francisco trampt. Er ist jung, er hat keinen Job und zeitweise reist er mit nur einem Dollar in der Tasche (der damals bedeutend mehr wert war). In Denver hofft er, seinen Freund Dean Moriarty, den er bewundert, und andere Kumpels zu treffen. Dean, der sich immer mit mehr als einer Ehefrau herumschlägt, will, genau wie Sal, unabhängig sein und Autor werden. „We drove around aimlessly“ trifft das, was sie tun, wohl am besten.

Allein und frei reist Sal Paradise durch Amerika – und genießt das Leben. Er lernt ein Mädchen nach dem anderen kennen und hinterlässt gebrochene Herzen. Wie er und Dean sich verhalten, würde man heute im besten Fall asozial nennen. Sie sind auf der einen Seite verantwortungslos, auf der anderen Seite ungebunden. Sie probieren Drogen aus, trinken Alkohol und wollen sich nicht binden, weder beruflich noch an einen Ort noch in der Liebe. Doch da es die swingenden, coolen, aufstrebenden Fünfzigerjahre sind, erweckt Sals Geschichte einen raubeinigen, lässigen Eindruck, sein Leben wirkt beneidenswert.

Was mich an On the Road stört, ist die dürftige Handlung: Es passiert nicht viel. Der Roman ist eher die Charakterstudie von Männern einer vergangenen Zeit, die umso authentischer wirkt, da sie zeitgleich geschrieben – und teilweise auch vom Autor erlebt – wurde. Dennoch fehlt mir die Entwicklung der Persönlichkeiten bzw. der Sinn und Zweck des Buchs, der, wie ich merke, für mich persönlich unerlässlich ist. Nichtsdestotrotz gibt On the Road interessante und überraschende Einblicke in eine Generation, die mir fremd ist. Schön ist, wie Sal das Außergewöhnliche sucht und findet: „… because the only people for me are the mad ones, the ones who are mad to live, mad to talk, mad to be saved, desirious of everything at the same time, the ones who never yawn or say a commonplace thing, but burn burn burn …“

7 Comments

  1. lechristoph

    Ich finde, das Buch ist schwer überschätzt (ähnlich wie „Der Fänger im Roggen“). Das wurde sogar schon in einer Episode von „Dawsons Creek“ festgestellt ;-).

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  2. Matthias

    Hab mich auch schon daran versucht, ich glaube aber, ich habs gar nicht bis ans Ende geschafft, irgendwann war mir das Warten auf zumindest den Ansatz einer Handlung dann doch zu mühsam.

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  3. Werner

    Eines der wenigen Bücher, die ich nach 30 oder 40 Seiten weglegte. Eine fehlende Handlung stört mich meist nicht so sehr, aber irgendwie war es mir unsympathisch.

    Ach, und der Fänger im Roggen kann gar nicht genug geschätzt werden 😉

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  4. Emma

    Ich finde, dass Buch ist einfach genial geschrieben…
    Schade nur, dass dem Ganzen die Faszination durch die fehlende Handlung genommen wird… Das Buch ist in einer interessanten Zeit entstanden und man wird wirklich ein bisschen neidisch auf diese unendliche Freiheit, die heute leider kaumm noch vorhanden ist…
    :)

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  5. Anna

    Dean MORIARTY. Nicht Mortiary.
    Der wilde, zügellose Erzählstils Kerouacs macht die Erlebnisse von Sal und Dean spürbar, reißt mit. Warum dann unnötige Handlungsstränge einbauen?

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    1. Mariki Author

      Oh, vielen Dank für den Hinweis auf den Tippfehler!
      Umso besser, wenn das Buch dich mitgerissen hat. Mir (und den anderen Kommentatoren) hätte es mit einer auch nur ansatzweisen Handlung mehr gegeben. Ich finde Handlungsstränge per se in einem Roman nicht unnötig. Es ist aber nicht weiter schlimm, wenn es keine gibt, und ich konnte mich vielleicht einfach nicht genug in das Buch hineinfühlen, weil die Distanz zu groß war. Faszination hat es ja dennoch auf mich ausgeübt.

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