Gut und sättigend: 3 Sterne

Norbert Zähringer: Als ich schlief

Ein wilder Mix aus Charakteren und Geschichten
Zum einen wäre da mal der kleine Ismael, ein Flüchtling aus Afrika, der aus einem Flugzeug fällt. Dann gibt es Paul Mahlow, einen Studenten, der ihn findet. Und Gonzo, den Demonstranten und Querulanten. Sowie Alp, der ins Koma fällt. Er ist der Ich-Erzähler. So weit zu den Charakteren (oder einigen davon). Nun zu den Zeitebenen: Wichtig ist das Jahr 1985, weil zu dieser Zeit Alp bei einer Westberliner Demonstration verletzt wird und sein Koma beginnt. Ebenfalls eine große Rolle spielt der Zweite Weltkrieg, als einem grausamen KZ-Arzt die Flucht gelingt und ein gewisser Joseph Hutzinger, Koch der deutschen Armee, nach Amerika gelangt. Was das alles miteinander zu tun hat? Gute Frage.

Norbert Zähringer schert sich nicht um herkömmliche Erzählperspektiven. Zwar lässt er einen Ich-Erzähler auftreten, von allen anderen Ereignissen und Personen berichtet er aber auf auktoriale Art und Weise – eigentlich besteht das Buch fast ausschließlich aus Geschichten, von denen Ich-Person Alp gar keine Ahnung haben kann. Sie spielen an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten. Und Alp liegt ja noch dazu im Koma. Wir springen also gemeinsam mit dem Autor wild hin und her, werden von unvorhersehbaren Wendungen überrascht und genießen die Spannung.

Jetzt kommt das Aber. Die Protagonisten bleiben mir herzlich egal, weil sie wenig Tiefe entwickeln. Durch die schiere Flut an Hauptpersonen kann ich mich auf niemanden konzentrieren – und auch Zähringer hat scheinbar nicht das Bedürfnis gehabt, dem Leser einen oder zwei Charaktere näher zu bringen. Von Anfang an wird suggeriert, dass die einzelnen Plots in einem größeren Zusammenhang stehen werden. Eine Verbindung gibt es am Ende zwar, sie erscheint mir jedoch recht lose. Nichtsdestotrotz ein rasantes und originelles Buch. Wer sich also auf jede Menge Verwirrung einstellt, wird durchaus zufrieden sein.

Lieblingszitat: Damals brach die Welt auf wie backendes Brot, aber niemand merkte es.

2 Comments

  1. Claud

    Vielleicht hättest du dir mehr Zeit für das Buch nehmen sollen. Das kann man nicht in 2 Tagen durchlesen, man muss es immer wieder weglegen, darüber nachdenken, Zusammenhänge finden… da steckt viel mehr dahinter!

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