Gut und sättigend: 3 Sterne

Thomas Hürlimann: Vierzig Rosen

HürlimannAlle Jahre wieder
Jedes Jahr wird Marie 40 Jahre alt: zumindest für ihren Mann, den Politiker Max. Denn Jahr für Jahr lässt er ihr 40 Rosen schicken und organisiert eine Farce, damit Marie nie älter wird. Er hat sich zielstrebig hochgearbeitet in die Regierung, kennengelernt haben sich die beiden während des Krieges, als Max noch Student war und Marie Klosterschülerin. In Rückblenden erzählt Marie von ihrer Familie, von ihrem jüdischen Vater und den Generationen von berühmten Schneidern, die ihm vorangingen. Maries Vater tut alles dafür, dass aus seiner begabten Tochter eine erfolgreiche Pianistin werden kann. Doch Marie stellt ihr Leben in den Dienst als Gattin eines Politikers.

Thomas Hürlimann beschreibt anschaulich ein bekanntes Klischee: Er erzählt von einer Frau, die ihren Traum aufgibt und sich der Karriere ihres Mannes sowie dem gemeinsamen Sohn widmet. Dieser Aspekt des Buchs steht aber nicht allein im Vordergrund, er ergibt sich vielmehr aus den Berichten von Maries Kindheit und Jugend, die überschattet werden vom Zweiten Weltkrieg und der Gefahr, in der sich Maries Vater, Schneider Katz, befindet. Eine Rolle spielt auch der Katholizismus, dem Maries Mutter und ihr Bruder völlig verfallen.

Es wird deutlich, dass Thomas Hürlimann sein Handwerk versteht: Die Erzählung plätschert ruhig dahin, ist gut geschrieben und wartet mit einigen schönen Metaphern auf. Gerade die Passagen aus der Vergangenheit gefallen mir gut, die aktuellen sind mir zu uninteressant – denn auch wenn der Autor seine Geschichte gut präsentiert, frage ich mich doch ab und an, warum er mir das erzählt und was daran so weltbewegend sein soll. Denn stellenweise ist das Buch dann so langweilig wie eben Maries Leben als Ehegattin.

Lieblingszitat: Dinge verwittern langsamer, sehr viel langsamer als Menschen. Deshalb lieben wir Bücher und Bilder. Sie handeln von der Zeit, ohne ihr zu unterliegen.

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