Gut und sättigend: 3 Sterne

Peter Goldsworthy: Maestro

GoldEin Klavierlehrer mit mysteriöser Vergangenheit
Ein Hoch auf eBay – und die dort günstig zu ersteigernden Bücher. Bei Maestro handelt es sich eher um ein dünnes Büchlein mit 180 Seiten, das die Geschichte eines pubertierenden Klavierschülers und seines mysteriösen Lehrers erzählt. Wir befinden uns in Australien, es ist heiß und feucht, als der 17-jährige Paul vom Maestro als Schüler angenommen wird. Er hat die Arroganz der begabten Jugend, er hält sich für einen herausragenden Pianisten und nimmt die Ratschläge seines Lehrers Keller, ein Österreicher, dem ein Finger fehlt, nur widerwillig an.

Goldsworthy versucht durchaus, gegen diverse Klischees anzukämpfen, aber es gelingt ihm nur mäßig – der Schüler, der die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben glaubt, der Lehrer, der mit unkonventionellen Methoden Überraschendes erreicht, die erste Liebe, der erste schwitzige Samenerguss, das Aufbegehren des Jugendlichen gegen die elterlichen Zwänge, das alles ist schon oft dagewesen. Hinein mixt er noch eine geheimnisvolle Vergangenheit Kellers während des Zweiten Weltkriegs, die Nazis, natürlich, Wien in all seiner Pracht und seinem Elend. Zum Glück präsentiert er eine passende und gut gemachte Auflösung, auch wenn er mich sehr lange darauf warten lässt.

Trotz einiger Schwachpunkte ist dieses Buch ganz lesenswert. Es ist im Prinzip wie Paul selbst: gut, aber nicht überragend.

Kommentar verfassen