Kleine Köstlichkeiten: 4 Sterne

Carlos Ruiz Záfon: Das Spiel des Engels

ZafonZáfon kann schreiben, das steht fest
Wenn der Erstling ein Wunderwerk war, ist der Zweitling fast immer eine schwere Geburt – in der Musik ebenso wie in der Literatur. In Spanien, so heißt es, habe Das Spiel des Engels den Schatten des Windes noch überflügelt. Záfons erstes Buch hat auch mich – wie Millionen anderer Leser, man staune – schwer begeistert. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an Das Spiel des Engels. Dass Záfon schreiben kann, wahrlich meisterhaft sogar, steht außer Frage. Schnell wird klar, dass ihm auch hier ein geschickt konstruierter, spannender Roman gelungen ist.

David Martín, Schriftsteller im Barcelona des beginnenden 20. Jahrhunderts, ist der Protagonist dieser fein gesponnenen Geschichte rund um – wie könnte es anders sein – die Liebe und den Tod. Ihm folgen wir durch die Wirren seines jungen Lebens, er leidet unter seiner Liebe zu Cristina, unter einer seltsamen Krankheit, unter dem Zwang, zu schreiben. Indem er einwilligt, für den mysteriösen Verleger Andreas Corelli ein Buch zu verfassen, geht er sprichwörtlich einen Pakt mit dem Teufel ein. Der Roman entwickelt einen ganz eigenen Sog, der mich mitzieht und fasziniert. Das Spiel des Engels ist eine spannende, solide Abenteuergeschichte. Sehr schön herausgearbeitet ist die Liebe zu den Büchern, die Notwendigkeit von Büchern als Überlebensmittel.

Záfons Zweitling ist ein wilder Mix aus historischem Roman, Krimi, Liebesgeschichte und mysthischen Elementen. Mir persönlich sind die Verwicklungen, in die Martín gerät, teilweise zu undurchsichtig und ein, zwei Fragen bleiben für mich am Ende unbeantwortet. Deshalb gibt es einen Punkt Abzug. Die alte Begeisterung von Der Schatten des Windes ist bei mir nicht so recht aufgekommen. Dennoch ist Das Spiel des Engels lesens- und empfehlenswert.

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