Gut und sättigend: 3 Sterne

Alina Bronsky: Scherbenpark

Bronsky17 Jahr, blondes Haar – und jede Menge Troubles
17 Jahre ist die aus Russland stammende Sascha alt, die gemeinsam mit ihren kleinen Geschwistern Anton und Alissa sowie der Cousine ihres Stiefvaters, Maria, im Solitär wohnt, einer typischen Großstadtanlage mit Sozialwohnungen. Sascha hat zwei Träume: Sie will ein Buch über ihre Mutter schreiben und ihren Stiefvater Vadim töten. Bis er aus dem Gefängnis rauskommt, will sie sich vorbereiten. Denn Sascha muss sich rächen – dafür, dass Vadim ihre Mutter erschossen hat. Der Hintergrund dieser Geschichte ist also eines jener Familiendramen, die uns in regelmäßigen Abständen in der Zeitung begegnen: Aus Eifersucht zuckt einer aus und tötet. Alina Bronsky erzählt, wie es nach einem solchen Ereignis weitergehen kann – aus der Sicht eines Teenagers.

Das Buch ist flüssig zu lesen, man hat es in einem Rutsch durch. Was aber nicht bedeutet, dass es nicht mit der einen oder anderen unvorhergesehenen Wendung aufwartet – denn was Sascha so erlebt und tut, ist nicht unbedingt immer das, womit man rechnet. So gerät sie unter anderem in eine merkwürdige Dreiecksbeziehung mit dem 16-jährigen Felix und seinem Vater, dem Journalisten Volker. Bemerkenswert gut gelungen ist es der Autorin, die Geschichte glaubhaft aus der Perspektive eines 17-jährigen Mädchens zu schildern. Obwohl nichts in der Wortwahl oder im Stil darauf hinweist, ist eine schöne Fremdhaftigkeit spürbar, etwas Russisches, das ich mit Melancholie verbinde, So ist eben das Leben, scheinen die Russen zu sagen, ab und zu stirbt einer.

Mit einem solchen Thema – junges Mädchen mit Migrationshintergrund in einem Sozialghetto nach einer menschlichen Tragödie – kann man, das muss man ungelogen sagen, einfach punkten. Ich mag es, dass Alina Bronsky mir nicht Erklärungen entgegenschmettert – Was tut man, wenn etwas Unfassbares passiert ist? – , sondern ihre Personen einfach handeln lässt. Gefühle und die Gründe für das Handeln erklären sich dadurch meist von selbst. Die Aufgabe, die die Autorin an sich selbst gestellt hat, hat sie auf jeden Fall zu meiner Zufriedenheit gelöst, auch das Ende ist in sich stimmig – durchaus lesenswert.

One Comment

  1. Mariki Author

    Christoph schrieb am 24. April 2009 @ 14:24

    Ich hab das Buch noch nicht gelesen, spiele aber ernsthaft mit dem Gedanken, zu Alina Bronskys Lesung in Erlangen zu gehen. Weiß aber noch nicht, ob sich das lohnt. Ich bin so unentschlossen…

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